Geschichte
Porzellan und Keramik: Kleben, Ergänzen, Retusche
Wie klebt man Porzellanscherben richtig, ergänzt fehlende Stellen an Keramik und retuschiert ein beschädigtes Dekor? Eine sachliche Anleitung.
Porzellanscherben klebt man richtig, indem man die Bruchflächen reinigt, entfettet, mit einem für Porzellan geeigneten Klebstoff (z. B. auf Epoxidharz- oder Cyanacrylatbasis) punktuell zusammenfügt und die Teile bis zur Aushärtung fixiert. Fehlende Stellen an Keramik ergänzt man mit einem modellierbaren Füllmaterial, das nach dem Aushärten verschliffen und farblich angepasst wird. Ein beschädigtes Dekor retuschiert man mit feinen Pinseln und lichtechten Farben, wobei man sich an den erhaltenen Partien orientiert.
Wie klebe ich Porzellanscherben richtig?
Zunächst werden die Bruchflächen mit einem weichen Pinsel und lauwarmem Wasser von Staub und losen Partikeln befreit. Fettige Rückstände, etwa von Fingerabdrücken, entfernt man mit Isopropylalkohol. Anschließend prüft man den Zusammenbau trocken, ohne Klebstoff, und markiert die Positionen, falls mehrere Scherben beteiligt sind. Beim Kleben selbst trägt man den Klebstoff dünn und nicht bis an den Rand auf, damit er beim Zusammenfügen nicht herausquillt. Man setzt die Teile exakt an und hält sie mit Klebeband, Klammern oder einem Sandbett in Position. Die Aushärtezeit richtet sich nach dem Produkt; sie kann von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden reichen. Nach dem Aushärten lassen sich überschüssige Klebstoffreste mit einem Skalpell oder feinem Schleifpapier vorsichtig entfernen. Wer sich einen Überblick über die einzelnen Arbeitsschritte und typische Fehlerquellen verschaffen möchte, findet in einem Fachmagazin zu Porzellanscherben und Kleben eine ausführliche Darstellung, die auch das Verhalten verschiedener Klebstoffe auf glasierten und unglasierten Flächen behandelt.
Wie ergänze ich fehlende Stellen an Keramik?
Fehlstellen entstehen durch Ausbrüche, abgeplatzte Glasur oder fehlende Bruchstücke. Vor dem Ergänzen muss die Bruchkante stabil und sauber sein. Lose Glasurpartikel werden entfernt, die Kante leicht angeschliffen, damit das Füllmaterial haften kann. Als Füllmaterial dienen Zweikomponentenmassen auf Epoxidharz- oder Acrylharzbasis, die sich modellieren lassen. Man trägt sie in dünnen Schichten auf und baut die Form schrittweise auf, statt in einem Arbeitsgang zu viel Material zu verwenden. Nach dem Aushärten wird die Ergänzung mit feinem Schleifpapier oder Schleifschwamm in Form gebracht. Dabei arbeitet man von grob nach fein, zum Beispiel mit Körnungen von 400 bis 2000. Abschließend wird die Oberfläche poliert, wenn sie glänzend sein soll. Bei transparenten Glasuren oder farbigem Scherben ist es wichtig, dass die Ergänzung nicht dicker aufträgt als das Original, damit die Silhouette erhalten bleibt.
Wie retuschiere ich ein beschädigtes Dekor auf Porzellan?
Die Retusche betrifft nur die Farbfassung, nicht die Form. Zuerst reinigt man die zu retuschierende Stelle und entfernt Fettreste. Dann mischt man die Farben auf einer Glasplatte oder einem Porzellanteller an. Für Porzellan eignen sich lichtechte, lösemittel- oder wasserbasierte Farben, die nach dem Trocknen eine glatte Oberfläche bilden. Man arbeitet mit feinen Pinseln und tupft die Farbe in mehreren dünnen Schichten auf, bis der Ton dem umgebenden Dekor entspricht. Wichtig ist, dass man die Retusche nicht auf die intakte Glasur aufträgt, sondern nur auf die Fehlstelle oder den Kratzer. Bei vergoldeten oder platinierten Dekoren verwendet man Gold- oder Platinimitationen, die ebenfalls in dünnen Schichten aufgetragen werden. Nach dem Trocknen kann man die retuschierte Stelle mit einem weichen Tuch leicht polieren. Eine farbliche Anpassung unter verschiedenen Lichtquellen, etwa Tageslicht und Kunstlicht, hilft, den passenden Ton zu finden.
Welche Materialien und Werkzeuge sind für die Restaurierung nötig?
Für das Kleben von Porzellanscherben benötigt man einen geeigneten Klebstoff, der nach dem Aushärten transparent oder zumindest unauffällig bleibt. Epoxidharzkleber sind stabil und wasserfest, können aber vergilben. Cyanacrylatkleber haften schnell, sind aber spröder. Für das Ergänzen von Fehlstellen braucht man Füllmassen, die sich schleifen und polieren lassen. Für die Retusche sind feine Pinsel, Farben und eventuell ein Vergrößerungsglas oder eine Lupenlampe hilfreich. Darüber hinaus sind Reinigungsmittel wie Isopropylalkohol, Wattestäbchen, Skalpelle, Schleifpapier verschiedener Körnungen und ein Sandbett oder eine Fixiervorrichtung nützlich. Ein staubarmer Arbeitsplatz mit guter Beleuchtung erleichtert die Arbeit. Bei größeren Objekten oder wertvollen Stücken ist es ratsam, sich vorab über konservatorische Grundsätze zu informieren, damit die Restaurierung reversibel bleibt.
Welche Fehler sollte man beim Kleben und Ergänzen vermeiden?
Ein häufiger Fehler ist die Verwendung von zu viel Klebstoff. Er quillt heraus, hinterlässt sichtbare Ränder und erschwert das exakte Zusammenfügen. Ein weiterer Fehler ist das ungeduldige Weiterarbeiten, bevor der Klebstoff vollständig ausgehärtet ist. Das führt zu Verschiebungen und instabilen Verbindungen. Beim Ergänzen von Fehlstellen wird oft zu dick aufgetragen, sodass die Ergänzung über das Original hinausragt. Das fällt besonders bei glänzenden Oberflächen auf. Auch das Retuschieren mit ungeeigneten Farben, etwa solchen, die schnell verblassen oder nicht haften, ist problematisch. Schließlich sollte man bei historischen oder wertvollen Stücken nicht ohne Fachkenntnis eingreifen, da unsachgemäße Maßnahmen den Wert mindern können.
Wie bewahrt man restaurierte Stücke auf?
Nach der Restaurierung sollten die Stücke an einem stabilen Ort aufbewahrt werden, an dem sie nicht umfallen können. Vitrinen mit Glasböden und ohne direkte Sonneneinstrahlung sind geeignet. Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht zu stark schwanken, weil Klebstoffe und Füllmassen auf Feuchtigkeit reagieren können. Beim Anfassen fasst man die Objekte an unversehrten Stellen an, möglichst mit sauberen Händen oder Handschuhen. Für den Transport verwendet man gepolsterte Behälter. Wenn ein Stück stark beschädigt ist, kann eine professionelle Restaurierung sinnvoll sein. Für Sammler und Erben, die sich mit der Materie vertraut machen wollen, gibt es Fachliteratur und Kurse, die sich mit Porzellan, Keramik und Glas befassen.
Autor: Redaktion Festwiese