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Feste & Brauchtum

Volksfest: der Ablauf von Freitag bis Dienstag

Fünf Tage, die aussehen wie ein einziger langer Abend. Tatsächlich folgt ein Volksfest einer Dramaturgie, die sich über Generationen eingeschliffen hat.

Feste

Am frühen Freitagabend füllt sich ein Marktplatz, über den Ständen hängen Girlanden, die ersten Gäste stehen an der Theke.
Freitagabend, kurz vor sieben: der Platz ist geschmückt, die Kapelle stimmt, und noch findet jeder einen Sitzplatz.

Wer ein mehrtägiges Volksfest zum ersten Mal besucht, hält es leicht für eine fünftägige Feier ohne Form. Das Gegenteil stimmt. Fast überall folgt der Ablauf einer Ordnung, die nirgends vollständig aufgeschrieben ist und trotzdem jeder kennt: Der Vorabend gehört den Einheimischen, der Samstag der Musik, der Sonntag den Familien, der Montag der Entscheidung und der Dienstag dem Ausklang.

Diese Ordnung ist keine Willkür. Sie folgt der Arbeitswoche, dem Kirchenjahr und der schlichten Tatsache, dass ein Zelt aufgebaut und wieder abgebaut werden muss. Wer den Ablauf kennt, versteht auch, warum das Fest an bestimmten Stunden voll und an anderen fast leer ist.

Freitag: der Vorabend gehört denen, die aufbauen

Der erste Abend ist in vielen Orten der leiseste und zugleich der persönlichste. Er heißt je nach Region Vorabend, Probe, Anstich oder Zapfenstreich. Gefeiert wird von denen, die das Fest vorbereitet haben, und von Gästen, die aus der Nachbarschaft kommen. Der Eintritt ist häufig frei oder gering, die Küche kocht die Gerichte, die sonst niemand bestellt, und das Programm bleibt bewusst schmal.

Aus dieser kleinen Runde ist vielerorts eine der bestbesuchten Veranstaltungen der ganzen Woche geworden. Wer den Vorabend auslässt, verpasst den Teil des Fests, in dem noch geredet statt gerufen wird.

Samstag und Sonntag: Umzug, Musik, Familie

Am Samstag beginnt der öffentliche Teil, meist mit dem ersten Festzug durch den Ort. Die Aufstellung erfolgt an einem festen Punkt, die Reihenfolge ist über Jahre gewachsen, und die Zuschauer stehen an denselben Stellen wie im Vorjahr. Am Abend spielt die Tanzmusik, und spätestens dann ist der Boden im Zelt nicht mehr trocken.

Der Sonntag ist familiärer. Vielerorts steht am Vormittag ein Gottesdienst, am Nachmittag die Kinderpolonaise, am frühen Abend das Konzert. Wer mit Kindern kommt, kommt an diesem Tag.

Woran man die Tage unterscheidet

  • Vorabend: kleine Runde, freier oder günstiger Eintritt, regionale Küche.
  • Samstag: erster Umzug, abends Tanzmusik bis in die Nacht.
  • Sonntag: Gottesdienst, Kinderprogramm, Konzert, früherer Schluss.
  • Montag: der Höhepunkt, meist am Vormittag entschieden, abends gefeiert.
  • Dienstag: Ausklang in den Gaststätten, Abbau ab Mittwoch.
Kinder tanzen am Sonntagnachmittag in einer langen Polonaise über einen hölzernen Tanzboden, Erwachsene klatschen am Rand.
Sonntagnachmittag: die Polonaise ist der einzige Programmpunkt, bei dem niemand auf die Uhr sieht.
Eine Blaskapelle spielt am Abend auf einer kleinen Bühne im vollen Festzelt, im Vordergrund erhobene Gläser.
Zwölf Musiker, ein Verstärker, kein Soundcheck: die Kapelle spielt gegen den Lärm im Zelt an.

Montag: der Tag, an dem entschieden wird

In den Regionen mit Schützentradition fällt am Montagvormittag die Entscheidung, wer für ein Jahr die Würde des Königs trägt. Das Vogelschießen ist der Höhepunkt des Fests und zugleich sein längster Programmpunkt: Es kann eine halbe Stunde dauern oder einen halben Tag. Danach folgt am Nachmittag ein zweiter Umzug, diesmal mit dem neuen Regenten an der Spitze.

Der Montag ist auch der Tag, an dem das Zelt am spätesten schließt. In vielen Orten endet er nicht dort, sondern auf dem Marktplatz, wo ein letzter Walzer getanzt wird, bevor die Kapelle einpackt.

Dienstag und danach

Der Dienstag ist offiziell keiner mehr, und genau darum halten so viele Orte an ihm fest. Die letzten Gäste treffen sich in den Gaststätten, um die restlichen Wertmarken einzulösen. Am Mittwoch beginnt der Abbau, und drei Tage später erinnert nur noch der plattgetretene Rasen daran, dass hier etwas war.

Wer diesen Rhythmus einmal verstanden hat, erkennt ihn in fast jedem Ort wieder, auch wenn die Namen wechseln. Er ist der Grund, warum sich ein Fest nicht kurzfristig verschieben lässt: Es hängt an einem Wochenende, an einer Kapelle, an einem Zelt und an Menschen, die Urlaub genommen haben.

Weiterlesen

Wie sich der Zug ordnet und warum die Reihenfolge nicht verhandelbar ist, steht im Text über den Aufbau des Festzugs. Was am Montagvormittag genau passiert, erklärt der Beitrag zum Königsschuss.

Wer wissen will, woher dieser Ablauf kommt, findet im Ursprung der Schützenfeste die längere Linie. Und wer selbst plant, sollte vorher die Hinweise für den Festbesuch lesen.