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Als Erzbischof Heinrich II. von Virneburg im Jahre 1311 das Dorf Olpe zur Stadt erhob und ihm die Stadtrechte verlieh, hatte er vor allem den Schutz der Bevölkerung im Auge, die "durch zahllose Feuersbrünste und räuberische Uberfälle durch die Verfolger und Feinde der Kölnischen Kirche" beständig bedroht worden war.

 

Nun konnte die neue Stadt mit Befestigungen umgeben werden und so die "feindlichen Verhöhnungen und häufigen Beunruhigungen, welche sie bis jetzt so übermäßig erduldet hat, besser aushalten und leichter sich dagegen verteidigen".

 

                Hexenturm Olpe

Wer aber sollte die Stadt schützen und verteidigen? Diese Aufgabe fiel den Einwohnern, den Bürgern selbst zu. Wohl hatten damals die Zünfte neben ihren genossenschaftlichen und sonstigen Aufgaben auch militärische.

 

 

 

Aber Olpe war ein reines Land-, ein Ackerstädtchen, und außer den für den landwirtschaftlichen Betrieb nötigen Handwerkern wird es wohl im Anfang nur wenige gegeben haben.

 

                                Schütze

Deshalb mußten die Verteidiger der Stadt aus einem größeren Kreis genommen werden, und um im Ernstfall auch vorbereitet und wohlgerüstet zu sein, in einer bestimmten Organisation zusammengefaßt werden. Zu dieser mußten auch die gehören, die keiner Zunft angeschlossen waren. Dieser Zusammenschluß vollzog sich, analog den Zünften oder Gilden, in einer Schützengilde.

 

Und wie in damaliger Zeit alle bürgerlichen Genossenschaften sich in engster Verbindung mit der Kirche entwickelten, so stellte sich auch die Schützengilde unter den Schutz eines bestimmten Patrones, und es entstand in Olpe die St. Sebastianus-Bruderschaft. Es gehen somit die Anfänge des heutigen Schützenvereins in die Zeit der Stadtgründung zurück,

 

und es ist nicht mehr wie recht und billig, sich im Jubiläumsjahr der Stadt Olpe auch der Geschichte und der Tradition ihres Schützenvereins zu erinnern.

 

Als "Sebastians oder Schützenbrüderschaft" war der Schützenverein ins Leben getreten. Sebastian war von jeher der Schutzpatron des Vereins, und sein Bildnis ziert heute noch traditionsgemäß die Fahne. Als Bruderschaft hatte der Verein bis zum Jahre 1713 in religiösen Angelegenheiten einen Präses als geistlichen Beirat; von da ab führt er den Namen "Schützenvikar".

 

                  Kerzen

 

Seit alters her hat der Schützenverein in der Olper Pfarrkirche einen besonderen, dem hl. Kreuz und dem hl. Sebastian geweihten Altar, zu dem der Bruderschaftsvorstand eigene Provisoren stellt, d. h. Mitglieder, die für den Sebastianusaltar zu sorgen hatten und sich darum kümmern mußten, daß alle, dem Schützenvikar zustehenden Stiftungen ihm auch tatsächlich alljährlich zugute kamen.

 


                       Alte Fahne

 

Aus den Beschwerdeschriften des streitbaren Pfarrers Ermert vom Jahre 1701 ersehen wir, daß der Schützenverein bzw. die Bruderschaft dem Schützenvikar jährlich 13 rote Gulden zu entrichten und für die Lichter des Altars jährlich elf Pfund Wachs zu liefern hatte. Wenn sich die Schützenbruderschaft an der Gründung der Vikariezum hl. Kreuz und hl. Sebastian beteiligt hat und jährlich die oben genannten Verpflichtungen eingegangen war, so ist daraus mit Recht zu erschließen, dass damals die Schützengesellschaft schon gut organisiert und durch längeres Bestehen in der Lage war, diese Mittel auch aufzubringen.

 

Da aus den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens keine urkundlichen Belege mehr vorhanden sind (die Stadtbrände von 1528, 1634 und 1795 haben nicht nur einen großen Teil des Stadtarchivs, sondern auch viele private, Kirchen-, Bruderschafts-, Zunft- und sonstige Akten und Urkunden vernichtet), so ist man in Bezug auf das damalige Vereinsleben der Bruderschaft auf Mutmaßungen angewiesen. Die Wehrhaftigkeit und Verteidigungsbereitschaft der Stadt Olpe lag im wesentlichen in der Hand der Schützenbrüder. Deshalb wird auch in allgemeinen Erlassen der kurfürstlichen Regierung den Bürgermeistern und Räten der Städte immer wieder empfohlen, die Schützenbrüderschaftenund Gesellschaften in ihrem ureigensten Interesse zu fördern und zu unterstützen; sie sollen auf strikte Beobachtung der Statuten, vor allem derer, die sich auf die Wehrertüchtigung beziehen, achten und durch angemessene Belohnungen und Preise den Wehrwillen und das Interesse am Schützendienst wecken.

 

Schütze

 

Um stets bereit zu sein, übte man sich fleißig im Waffenhandwerk. Bis zur Einführung der Feuerwaffen im 16. Jahrhundert war die Armbrust "die" Waffe. Das Obungsschießen mit der Armbrust und später mit der Feuerwaffe fand im sogenannten "Schützengraben", der hinter dem heutigen Imberg lag und ein Teil des damaligen Stadtgrabens war, statt. Ihre Schießkunst zu beweisen und der Allgemeinheit ihre Wehrhaftigkeit zu zeigen, veranstalteten die Schützenbrüder am Pfingstmontag ein Vogelschießen, aus dem sich dann im Laufe der Zeit unser heutiges Schützenfest entwickelte.

 

Außer diesem Vogelschießen fand alljährlich um Jakobi ein Scheibenschießen statt, bei dem der beste Schütze als Preis einen Hut erhielt, den anfänglich der Schützenkänig, später aber die Stadt stiftete. Auch fand jährlich ein Waffenappell statt. Am Tage vor Sebastian hatte jeder Schützenbruder seine Waffe dem zeitigen Schützenkönig vorzuzeigen. War sie nicht in ordentlichem Zustand, so musste sein Besitzer einen Gulden Strafe zahlen.

  

Auf zwei Zeichnungen des flämischen Malers Roidkin aus der Zeit um etwa 1725 erkennt man deutlich den Standort der damaligen Vogelstange am Hang zwischen Bruch und Stötchen.

 

         Alte Vogelstange

 

Dort behielt sie ihren Platz bis sie nach Erwerb des heutigen Schützenplatzes im Jahre 1828 dorthin übersiedelte. Für das hohe Alter des Schützenvereins zeugt auch die Tatsache, daß 1525 die alte Vogelstange, weil morsch und brüchig, umstürzte.

 

Aus dem der Kirche zu Rhode gehörigen Cyriacus-Gehölz auf der Griesemert beschafften sich die Schützen eine neue. 1582 war die Stadt Olpe der Ort einer großen Veranstaltung.

 

Ein großes Schützentreffen vereinte neben vielen adeligen Herren, Bürgermeistern und Schöffen von nah und fern die Schützen von Siegen, Attendorn, Drolshagen, Wenden, Meinerzhagen, Rhode, Valbert und anderen Orten zu einem "Schützenverbandsfest".

 

Die ältesten bekannten Satzungen des Schützenvereins Olpe stammen aus dem Jahre 1724 und betiteln sich

 

Statuta und Satzungen für die Schützen compagnie Junggesellen in Statt Olpe

                             aufgericht

von Bürgermeistern und Rath hirselbst Anna 1724.
 

 


 
Quelle: "Festschrift  650 Jahre St. Sebastianus-Schützenverein Olpe, 1961"