Wir schreiben das Jahr 1939 PDF Drucken E-Mail

 

1939 - Der Brief vom Deutschen Schützenbund


Am 20. Januar 1939, dem Sebastianstag, hatten verschiedene Herren des Vorstandes, zum Teil in Schützenmütze, dem Festhochamt in der Pfarrkirche das auf Grund einer jahrhundertelangen Tradition des Vereins alljährlich gelesen wird, beigewohnt.

 

Ohne Wissen des Majors, der in Düsseldorf weilte, hatte man auch die Traditionsfahne mitgebracht, diese aber erst in der Kirche aus dem Futteral genommen. Ein gemeinsamer An- und Abmarsch hatte nicht stattgefunden, auch waren keine offiziellen Einladungen an die Mitglieder des Vorstandes ergangen.

 

Dieser Vorfall war aber irgendwie "oben" bekannt geworden, und der Vorsitzende erhielt folgenden eingeschriebenen Brief vom "Deutschen Schützenbund im Reichsverband für Leibesübungen":

 

Dortmund, den 11.2.1939

 

An den Schützenverein Olpe, zu Händen des Herrn Herbert Hesse.


Die Vorgänge am Sebastianstag zwingen mich, Ihnen den wohlgemeinten Rat zu geben, die gesamten Vorstandsmitglieder Ihres Vereins von ihren Ämtern zu entbinden und selbst sofort von der Führung des Vereins zurückzutreten.

 

Die Meldung darüber erbitte ich spätestens bis zum 16. 2. 1939 nach hier und zugleich an den zuständigen Kreisleiter der NSDAP. Diesen wohlgemeinten Ratschlag erteile ich Ihnen, um Ihren gesamten Verein vor weiterem Schaden zu bewahren.

 

Sollten Sie meinem Wunsche nicht entsprechen, so teile ich Ihnen informatorisch, nicht drohend, mit, daß ich andernfalls gezwungen bin, die Auflösung Ihres Vereins durch die Gestapo zu veranlassen.

 

Deutscher Schützenbund, Gau Westfalen


B. Lühn, Gauschützenführer

 

Da man mit allem möglichen rechnen musste, wurde das gesamte Barvermögen an die Handwerker, die für den Verein Arbeiten auszuführen hatten, gegeben. Die Fahnen wurden dem Heimatverein zu treuen Händen überlassen.

 

Der gesamte Vorstand mitsamt seinem Major trat von seinen Posten zurück. In einer Mitgliederversammlung im März des Jahres wurde Herbert Hesse als Vorsitzender einstimmig wiedergewählt, er machte neue Vorstandsmitglieder namhaft, und nach einigem hin und her bestätigte der Kreisleiter gnädigst den neuen Vorstand.

 

Noch einmal wurde das Schützenfest gefeiert, und dann brach der große Weltkrieg aus. Mit seinem Ende war auch die Naziherrschaft beendet und der Verein konnte ohne Bevormundung wieder frei schalten und walten.