Wir schreiben die Jahre 1903 und 1926 PDF Drucken E-Mail

 

1903 - Ein übereifriger Schutzmann


Anläßlich des 25jährigen Papstjubiläums des Papstes Leo XIII. fanden auch in Olpe zwei große Volksversammlungen statt. Ein Fackelzug durch die Stadt beendete am Abend die Feier.

 

Altem Herkommen gemäß wurde der Schützenvorstand mit der Aufgabe betraut, die Aufstellung und Leitung des Zuges zu übernehmen und für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen.

 

In der unteren Westfälischen Straße verließ der Schützenvorstand den Zug, um vor dem damaligen Schulgebäude, der heutigen Sparkasse, und auf dem Marktplatz, wo die Schlußfeier stattfinden sollte, einen Platz für die Festteilnehmer frei zu halten.

 

Während man das Eintreffen des Festzuges erwartete, trat plötzlich der städtische Polizeiwachtmeister Janssen auf den Vorstand zu und beanstandete, dass die Herren zu einer öffentlichen Veranstaltung in Waffen erschienen seien.

 

Als ihm erwidert wurde, dass laut Statuten der Vorstand bei öffentlichen Anlässen stets mit Schärpe und Säbel aufzutreten habe, bemerkte er, dass die Vereinsstatuten gegenüber den Staatsgesetzen nichts zu gelten haben.

 

Weiter bemerkte er, dass der Fackelzug nicht den vorher festgelegten Weg genommen habe, was ihm aber sofort widerlegt werden konnte. Daraufhin behauptete er, dass für den Festzug überhaupt keine polizeiliche Genehmigung gegeben wäre. Die war aber da und in den Händen des Pfarrers Tigges.

 

Auf die Bemerkung des Schützenvorstandes, dass er im Auftrage des Festkomitees handle und er, der Wachtmeister, sich an den Bürgermeister als Mitglied des Komitees wenden solle, erwiderte er:

 

"Der Bürgermeister ist im Festkomitee als Bürgermeister und nicht als Polizeiverwalter."

 

Der ganze Vorgang blieb während der Schlussfeier dank der Kaltblütigkeit und Reserviertheit des damaligen Schützenmajors J. Schürholz unbeachtet und unerkannt. Als er aber bekannt wurde, war die Empörung unter der Bevölkerung begreiflicherweise eine sehr große.

 

Man erklärte offen und frei, dass es dem Wachtmeister nur darum zu tun gewesen sei, die herrliche Feier auf irgend eine Weise zu stören. Die Empörung und der Unwille steigerte sich noch, als bekannt wurde, dass dem Janssen von seinem Vorgesetzten, dem Bürgermeister ausdrücklich befohlen war, sich, wie auch die übrigen Schutzleute, möglichst fern von der Feier zu halten.

 

Am andern Morgen wurde Janssen dienstlich zum Landrat befohlen. Über das, was dort geschah, schwirrten nur Gerüchte in der Stadt umher. Tatsache aber war, daß sich Janssen von jetzt ab in der Offentlichkeit sehr zurückhaltend verhielt. Er hatte aber doch noch herausgefunden, dass die Statuten des Schützenvereins polizeilich nicht genehmigt waren.

 

Als sie dem Bürgermeister vorgelegt wurden, bemerkte dieser:

 

"Da der Schützenverein entsprechend seinen Statuten als eine Veranstaltung zur Förderung der Geselligkeit und Einigkeit, nicht aber als gemeinnützige Anstalt zu betrachten ist, bedürfen die Statuten keiner Genehmigung."


 

1926 - Der Gerichtsvollzieher kommt

 

Die Instandhaltung der Schützenhalle und des Platzes, die Reparaturen und Neuanschaffungen hatten den Verein gezwungen, nach der Währungsreform 1923 einen Kredit bei der Städtischen Sparkasse aufzunehmen.

 

Als der Verein nun mit seiner Zinszahlung in Rückstand kam, trat prompt der Vollziehungsbeamte auf den Plan.

 

"Pfandanzeige 1 Fahne, 1500 Gläser.


Gepfändet den 27. 5. 1926


Der Vollziehungsbeamte der Stadt Olpe, Clemens"